VISION: KRAFT DER CROWD

—— Es gibt drängende Umweltprobleme. Und es gibt Technologien, die sie lösen könnten. Was manchmal fehlt, sind Menschen, die beides miteinander verbinden. Das Start-up Conservation X Labs will diese Brücke schlagen – mit der Vielfalt des Wettbewerbs.

ILLUSTRATION BRATISLAV MILENKOVIĆ

Schon als Teenager wusste Paul Bunje, dass er die Natur schützen wollte. Damals streifte er durch die Wälder Kaliforniens und bewunderte die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere. Heute ist Bunje Biologe und verfolgt seine Mission noch immer. Vor sechs Jahren gründete er dazu mit Alex Dehgan, ebenfalls Biologe, das Technologie- und Innovations-Start-up Conservation X Labs.

Dehgan und Bunje hatten festgestellt, dass es jede Menge Ideen und smarte Technologien rund um die Bedrohungen der Artenvielfalt gab. Woran es oft fehlte, war ein Fokus auf Lösungen. Eine Art Trichter, der die verschiedenen Ansätze zusammenführt und auf ein konkretes Szenario lenkt. Also überlegten Bunje und Dehgan, wie so ein Trichter aussehen könnte. Wie es gelingen könnte, Wissenschaftler, Unternehmer und Investoren zu konkreten Problemen im Naturschutz zusammenzubringen.  

Ihr Unternehmen Conservation X Labs hat das Ziel, solche Netzwerke zu knüpfen. Mittlerweile beschäftigt das Start-up 25 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Team, bestehend aus Wissenschaftlern, Geschichtenerzählern und Ingenieuren entwickelt in ihren Laboren Spitzentechnologien, leitet Innovationswettbewerbe und motiviert dadurch Menschen außerhalb des Naturschutzes, sich an ihrer Mission zu beteiligen, das Artensterben zu verhindern. Das Unternehmen ist derzeit in Seattle, Washington D.C. und Lima vertreten.

Die Innovationswettbewerbe beruhen auf der Vorstellung, dass die Konkurrenz von Ideen die bestmöglichen Lösungen hervorbringt: Über Anzeigen in Magazinen, bei Universitäten oder in sozialen Medien ruft das Team regelmäßig dazu auf, eine Lösung für ein bestimmtes Problem zu finden. Die eingereichten Ideen werden dann wissenschaftlich bewertet. Den Siegern winken teils stattliche Preisgelder. Diese wiederum sammeln Bunje und Dehgan von Stiftungen oder Regierungen ein. Mit dem Geld dürfen die Gewinnerteams ihre Ideen weiterentwickeln und auf den Markt bringen.

Der Wettbewerb der Ideen bringt immer wieder kreative Lösungen hervor. Zum Beispiel einen Shrimp-Ersatz aus Algen – eine Idee aus einer der ersten Ausschreibungen vor fünf Jahren. Das Problem, das damals gelöst werden sollte: Garnelenzuchtbetriebe belasten die Meere unter anderem durch den hohen Einsatz von Antibiotika, beim Wildfang landet in der Regel viel Beifang in den Netzen, der als Abfall zurück ins Meer geschüttet wird. Vegane Shrimps-Alternativen könnten diese Probleme lösen. Durch die Unterstützung von Conservation X­ Labs sind die Algen-Shrimps mittlerweile marktreif und werden in Restaurants in den USA angeboten.

Mit solchen Geschichten möchte das Start-up vielen Menschen aufzeigen, dass jeder Teil der Lösung sein kann. „Unsere Community muss weiterwachsen“, sagt Bunje. Herausforderungen gibt es genug: Aktuell sucht Conservation X Labs nach Ideen, um die Verschmutzung der Ozeane mit Mikrofasern aus Plastik zu stoppen.

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